|
| ||
Das Spiel des Engels von Carlos Ruiz Zafón
Preis bei Amazon: EUR 24,95, Angebote ab EUR 18,39 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3100954009, Erscheinungsdatum: November 2008, Auflage: 2., Aufl.
Aus der Amazon.de RedaktionDavid Martín ist siebzehn, als er die Chance seines Lebens erhält: Der Chefredakteur einer Regionalzeitung fragt ihn, ob er für einen ausgefallenen Beitrag Ersatz liefern könne. Und David Martín kann: seine Erzählungen "Geheimnisse von Barcelona" werden ein Riesenerfolg. Doch im Laufe der Zeit wird klar: Dieser Erfolg hat seinen Preis... Die mystisch-spannende Geschichte, die Bestsellerautor Zafón in Das Spiel des Engels entfaltet, zieht den Leser rasch in ihren Bann und entführt ihn in ein faszinierend morbides Barcelona zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zafóns grandioses Debüt Der Schatten des Windes begleitete den Buchhändler Daniel Sempere auf einer Entdeckungsreise in die Vergangenheit. Das Spiel des Engels führt nun noch weiter zurück, nämlich bis zu Daniels Großvater. Der alte Buchhändler Sempere ist jetzt der väterliche Freund Davids. Nach seinem erfolgreichen Einstand verdient der aus armem Hause stammende Literat David bald sein Geld mit dem Fortsetzungsroman "Verdammte der Stadt". Doch im Laufe seiner 127 Folgen zehrt die Arbeit ihn auf, seine Liebe zur schönen Cristina bleibt unerwidert, und seine Gesundheit nimmt schweren Schaden. Eines Tages, als es David Martín besonders schlecht geht, nimmt der alte Buchhändler Sempere ihn mit an einen geheimnisvollen Ort, der schon im Der Schatten des Windes verzauberte: den Friedhof der vergessenen Bücher. Bald darauf erhält der inzwischen schwer kranke David eine seltsame Offerte von einem dubiosem Verleger. Für das Schreiben einer ganz speziellen Auftragsarbeit macht dieser dem Schriftsteller ein verlockendes Angebot - ein guter Deal oder ein Pakt mit dem Teufel? Das Spiel des Engels ist gleichzeitig Fantasy-Märchen, Liebesgeschichte, Krimi und Horrorstory. Das Buch fesselt den Leser mit den fein gesponnenen Fäden seiner Geschichte, sodass man bald nicht mehr zwischen erzählter Wirklichkeit und imaginiertem Trugbild zu unterscheiden vermag. Wie schon in Der Schatten des Windes verknüpft Zafón äußerst kunstvoll verschiedene Ebenen und Stränge miteinander. Über geheimnisvolle Orte und metaphysisch anmutende Begegnungen verdichtet sich die Handlung immer mehr - bis zu dem Punkt, da sie schließlich in einen erbarmungslosen Kampf auf Leben und Tod mündet. -- Ulrike Künnecke, Literaturtest Interview: 5 Fragen an Carlos Ruiz Zafón Herr Zafón, Ihr letztes Buch Der Schatten des Windes entführte uns an einen geheimnisvollen Ort, an dem Bücher niemals sterben. Wohin entführt uns Ihr neuer Roman Das Spiel des Engels? Das Spiel des Engels entführt den Leser wieder in das literarische Universum des Friedhofs der Vergessenen Bücher und in das mysteriöse gotische Viertel Barcelonas. Es ist eine Geschichte, in der es Intrigen und Romanzen gibt, die tragisch und komisch ist. Und sie steckt voller Überraschungen. Wie arbeiten Sie an einem Roman? Wenn ich mich hinsetze, schreibe ich tagelang durch und gönne mir nur einen freien Tag in der Woche. Einen Teil vom Das Spiel des Engels habe ich in Los Angeles geschrieben. Ein Freund hat mir ein Arbeitszimmer überlassen und ich habe dort von 6 Uhr früh bis 2 Uhr mittags geschrieben, völlig gegen meine Veranlagung. Sonst arbeite ich immer nachts. Schreiben ist ein komplizierter Prozess, der mich viel Zeit kostet und für den ich mich ein wenig aus der Welt zurückziehen muss.In Spanien ist "Das Spiel des Engels" noch erfolgreicher als Ihr erster Roman. Woran, glauben Sie, liegt das? "Der Schatten des Windes" habe ich vor zehn Jahren angefangen zu schreiben. Ich glaube, dass ich in dieser Zeit etwas hinzugelernt habe. Man lernt aus seinen Fehlern und mit dem Alter. Zudem war das Buch aus der Perspektive eines heranwachsenden Jungen geschrieben und deshalb liebenswürdiger. Beim Das Spiel des Engels war ich mutiger, und so ist dabei die ruchlose Schwester von Der Schatten des Windes herausgekommen. Es hat mehr von Charles Dickens: Es ist eine Hommage an die Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, die die Literatur auf fieberhafte Weise lebten.Wann haben Sie angefangen zu schreiben? Als ich zum ersten Mal Geld für etwas von mir Geschriebenes erhielt, war ich acht Jahre alt und dachte, mit 13 bin ich berühmt. Ich gründete mit einigen Freunden an der Schule einen Verlag. Einer kümmerte sich um die Gestaltung, ein anderer machte die Kopien, und ich schrieb. Es waren Horrorgeschichten mit Außerirdischen und Vampiren. Mit dem Geld, das wir einnahmen, kauften wir uns Süßigkeiten. Seitdem habe ich nicht aufgehört zu schreiben.Was ist Glück für Sie? Ich tu gerne einmal nichts, aber irgendetwas mache ich immer. Ich höre gern Musik, lese, gehe ins Kino, reise und lerne. Ich lerne sehr schnell. Viel wichtiger als der Erfolg meiner Bücher ist für mich, dass ich seit langer Zeit zum ersten Mal mit mir selbst zufrieden bin. Was ist für mich das Glück? Darauf antworte ich immer das Gleiche: geistige Zufriedenheit.Über den Autor Carlos Ruiz Zafón wurde 1964 in Barcelona geboren, wuchs im Schatten von Gaudís Kathedrale Sagrada Família auf und besuchte die gotische Jesuitenschule von Sarría. Deren wuchernde Architektur regte schon den 10-Jährigen zu Schauergeschichten an und inspiriert ihn bis heute zu seinen kunstvoll konstruierten Romanhandlungen. Seine berufliche Laufbahn begann er als Texter, bevor es ihn 1994 nach Los Angeles zog, wo er zehn Jahre als Drehbuchautor und Journalist arbeitete. Für sein Erstlingswerk Der Fürst des Nebels erhielt Ruiz Zafón 1993 den Edebé-Preis für Jugendliteratur. Sein Roman Der Schatten des Windes von 2001 wurde zum größten Bucherfolg Spaniens und begeisterte, in mehr als 30 Sprachen übersetzt, Leser in aller Welt.Amazon.de-HörbuchrezensionEigentlich hat David Martín kaum eine Chance, ein bedeutender Schriftsteller zu werden. Im Barcelona vor dem spanischen Bürgerkrieg wächst er in einer Umgebung auf, die man heute einen ?bildungsfernen Haushalt? nennen würde. Und als ihm ein väterlicher Freund einen Band von Charles Dickens in die Hand drückt, wird der Ich-Erzähler von seinem Vater windelweich geprügelt. Trotzdem zieht es David zum Schreiben: zuerst zur abgehalfterten Zeitung ?Stimme der Industrie?, die aber doch nicht so abgehalftert ist, dass ihre ?Edelfeder? Pedro Vidal nicht das große Talent des Jungen erkennen würde. So wird David doch noch ein Autor, und zwar ein schlecht bezahlter Schreiberling von Trivialromanen. Dann bedroht eine Krankheit sein Leben, die große Liebe seines Lebens geht verloren. Und dann gibt es da noch den Verleger Andreas Corelli, den niemand kennt und der Martín bittet, mit einem Buch für gutes Geld eine Religion zu begründen. Ein Pakt mit dem Teufel? Einem internationalen Publikum wurde der spanische Erfolgs-Autor Carlos Ruiz Zafón 2001 mit seinem Besteller Der Schatten des Windes bekannt: Inzwischen ist das Buch in dreißig Sprachen übersetzt. Dementsprechend groß waren die Erwartungen an den Nachfolgeband Das Spiel des Engels, und Zafón hat die Erwartungen in jeder Hinsicht erfüllt. Episch breit angelegt, entführt der Roman seine Leser in ein verzaubertes, phantastisches und labyrinthisches Barcelona. Das hat große Klasse und Poesie. Umso glücklicher ist der Umstand, dass der Argon Verlag für seine Hörspiel-Produktion den bekannten Schauspieler Gerd Wameling gewinnen konnte, der unter anderem in Wim Wenders? In weiter Ferne so nah sowie in der Serie Wolffs Revier mitspielte. Denn Wameling liest den Text (wenn auch nicht den gesamten Text, sondern eine autorisierte Lesefassung) routiniert und schnörkellos, ohne sich allzu sehr in Szene zu setzen, sodass das Lyrische durch eine klare, unaufgesetzte Stimme schimmert. Auch wenn man sich fragen darf, warum der Ich-Erzähler in direkter Rede mit ?anderer Stimme? (also anderem Timbre) spricht: Nicht zuletzt Wamelings Leistung macht Das Spiel des Engels zu einem bezaubernden Hörgenuss. -- Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de 9 CD, 611 Minuten 5 Kundenrezensionen:Noch grandioser als der "Schatten...." !!! 5 von 5 PunktenIch hätte dieses Buch in 3 Tagen lesen können, aber nicht wollen, denn ich wollte den Abschied von diesem Buch so weit wie möglich hinauszögern! Nun ist es also geschehen und ich blicke zurück auf Tage voller Lesegenuss. Aber diesmal war es mehr noch. Ich fühlte mich zeitweise als Teil der Handlung, sah mich fassungs- und bewegungslos dem Geschehen um mich herum bedingungslos ausgeliefert. Möglich machte das die Sprachgewalt mit der Umgebungen, Zustände und Emotionen sich meiner Sinne bemächtigten und mich in eine andere Welt entführten. Im Vergleich zu seinem ersten Buch (Schatten....) empfinde ich dieses Werk als sehr viel gereifter und in dem nie enden wollenden Spannungsbogen noch um einiges Fesselnder. Obwohl ich mir nach Lesen des "Schattens...." das nicht hätte vorstellen können, dass das noch möglich sei. Auch empfinde ich nicht - wie einige Rezensenten vor mir - dass Handlungsstränge sich nicht im Verlaufe des Geschehens in irgendeiner Weise aufklären. Ich werde dieses Buch aber nicht das letzte Mal gelesen haben und dann diesbezüglich darauf genauer achten, ob mir vielleicht doch etwas entgangen ist... An dieser Stelle auch noch einmal von mir ein besonderes Lob und einen Dank an den Übersetzer, dem es gelungen, ist diese Sprachdichte auch im Deutschen herzustellen. Und nun lassen Sie sich entführen in diese mystische Unter-Welt Barcelonas! Ich fands gut!!! 5 von 5 PunktenIch kann eigentlich nicht verstehen, wie man für dieses Buch nur 1 Punkt verteilen kann. Vielleicht war es mein Vorteil, daß ich den Vorgänger noch nicht gelesen habe, aber..... nichtsdestotrotz fand ich dieses Buch spannend und sehr gut. Besonders genossen habe ich den lakonischen Humor des Hauptprotagonisten. Ich denke es ist immer schwer wenn man mit Erwartungen an etwas herangeht, was man nicht wiederholen kann ohne sich zu wiederholen. Allerdings freue ich mich jetzt auf den Vorgängerband, der nach diesen Vorschußlorbeeren in den von mir gelesenen Rezensionen nur der Hammer sein kann. Ich werde hernach meinen Senf auch dazu abgeben und wer weiß vielleicht ist es bei mir ja andersrum. ein weiterer Besuch auf dem Friedhof der vergessenen Bücher... 2 von 5 PunktenAber auch diesmal ist nur der Friedhof das einzig Schöne. Die Handlungen des Protagonisten erschließen sich mir nicht, warum er was wann tut bleibt oftmals vollkommen im dunkeln und das ähnelt, wie auch der Beginn dem Schatten des Windes. Das im Dunkeln tappen bei der Kausaltität ist auch das einzig Überraschende in diesem Buch. Jedoch muss man Zafón für sein Sprachtalent loben. Er erschafft ein Barcelona, dass einem heutigen Touristen größtenteils entgeht. Die düstere Stimmung, die sich durchweg durch den gesamten Roman zieht, erhält das schaurige und großartige Gefühl des ersten Betretens des Friedhofes aufrecht. Es war eine schöne Lektüre für zwischendurch, ein Schmöker, genauso wie das vorherige Buch. Jedoch nicht mehr, eher etwas weniger. Alle, die Der Schatten des Windes über die Maßen lobten, sollten hier eher auf die Taschenbuchausgabe warten und die Erwartungen gewaltig zurückschrauben. An alle anderen, Ihre Erwartungen werden nicht enttäuscht werden, weil Sie kaum welche haben. Welche Enttäuschung! 1 von 5 PunktenDas Buch "Der Schatten des Windes" habe ich verschlungen, am liebsten hätte ich es ohne Unterbrechung zu Ende gelesen. Ich habe es auch zweimal verschenkt, und die Empfängerinnen waren genauso begeistert davon wie ich. "Das Spiel des Engels" beginnt in vertrautem Stil, Zavon ist ein großartiger Erzähler. Die Atmosphäre ist zumindest im ersten Teil des Buches noch ein bisschen düsterer und melancholicher als in "Der Schatten des Windes", und jemand, der zu Depressionen neigt, sollte sich vielleicht besser von diesem Opus fernhalten. Ich neige nicht zu Depressionen, aber trotzdem werde ich dieses Buch nicht wieder lesen und niemandem zum Lesen raten - die Geschichte, die Zavon erzählt, ist derart hahnebüchen, dass alle Erzählkunst sie nicht retten kann. Hauptperson und Ich-Erzähler ist David Martin, Jahrgang 1900. Mehr schlecht als recht übersteht er seine ersten knapp 30 Lebensjahre - die Mutter hat ihn und den Vater verlassen; dieser, ein seelischer Krüppel, vernachlässigt den Jungen. Nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters findet der noch Minderjährige dank eines "Gönners" (ein echt mieser Typ, wie wir herausfinden werden) erst ein notdürftiges Auskommen bei einer Zeitung und dann als Serienautor (Horrorgeschichten) bei einem ausbeuterischen Verlag (200 Seiten im Monat). Von einem lebensbedrohenden Hirntumor wird er in einer Art Wachtraum auf Betreiben des mysteriösen Andreas Corelli geheilt - dem "Engel" des Buchtitels, den man sich nicht als Schutz- sondern eher als gefallenen Engel vorstellen muss, vielleicht sogar als Teufel in Person. Nach dem ersten Akt (rund 200 Buchseiten) hatte ich das dringende Bedürfnis nach einer Pause und las, um Verständnis ringend (Was soll das?) den Epilog (nutzt nichts). Etwa eine Woche später begann ich dann doch den 2. Teil (es muss doch verständlicher werden?!), der im Vergleich zum ersten Teil ein großes Manko hat: Der Erzählstil ändert sich drastisch, die Sogwirkung geht verloren. Rund 200 Seiten habe ich noch vollständig, den Rest dann nur noch diagonal gelesen: Wie geht das Ganze aus? Gelingt es mir vielleicht doch noch, einen Sinn zu erkennen? Am Ende stehe ich ratlos vor rund 700 Seiten unzugänglichem Roman. Fantasy? Eine Allegorie? (Wofür?) Hilft es, katholisch zu sein und an Engel zu glauben, um das ertragen zu können? Ich bezeifele es. Würde es helfen, die Geschichte Barcelonas in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu kennen? Ich kann es mir nicht vorstellen. Erinnert hat mich das Ganze an ein Paar Romane von Paolo Coehlo, die mir eine Bekannte vor Jahren aufdrängte und mit denen ich ebenso wenig anfangen konnte wie mit "Das Spiel des Engels." Das Beste an dem Buch ist das Design des Schutzumschlags. Den finde ich wunderschön. Weit mehr als ein Prequel 5 von 5 PunktenDas Herumgemäkele an Zafons neuem Roman zeigt vor allem eines: dass er eben nicht einen zweiten Aufguss von "Schatten des Windes" geliefert hat. Dabei war die Versuchung groß und die Befürchtungen berechtigt: Zafon zunächst geht auf Nummer sicher und bemüht erneut den Friedhof der Vergessenen Bücher ebenso wie die Familie Sempere. Trotzdem gelang dem Autor weit mehr als ein Prequel, was trotzdem das Schicksal einer der Nebenpersonen besiegelt. Ich möchte hier nicht groß auf den Inhalt des 700 Seiten-Wälzers eingehen, das wurde hinreichend getan, auch läuft man immer Gefahr, etwas zu verraten, was doch jeder beim Lesen selbst herausfinden soll. Zafons Roman jedenfalls ist deutlich komplexer als der Vorgänger, und das mag es sein, womit mancher Leser nicht umgehen kann: denn ganz vordergründig werden diesmal nicht eine, sondern zwei Geschichten parallel erzählt, und auch wenn der Roman meiner Meinung nach keine losen enden hinterlässt, erklärt der Autor immerhin nie explizit, wann er gerade welche Geschichte verhandelt. Zum einen gibt es da wieder einen Thriller, in dem niemand der ist, der er zu sein vorgibt. Im Unterschied zum "Schatten" werden die Konfrontationen hier jedoch zunehmend brutaler ausgeschmückt. Die mystische Ebene, eine Spezialität der spanischen und lateinamerikanischen Literatur, ist diesmal von der Thriller-Handlung abgespalten: ein mysteriöser Verleger macht ein Angebot, das der Held des Buches nicht ablehnen kann. Ganz unzweifelhaft lässt sich hier die Geschichte von Mephisto und Faust erkennen, verlegt in die Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert. Und so viel sei nun doch verraten, um Enttäuschungen vorwegzunehmen: Andreas Corelli ist tatsächlich der Teufel! Da löst sich nichts auf, er ist es eben. Doch durchaus auch ein sympathischer, auch Corelli könnte man über den lieben Gott Sätze zutrauen wie "Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern". Corelli nimmt sein Vorhaben einer neuen Religion sehr ernst und ist bereit, alle(s) aus dem Weg zu räumen, was David Martin an der Umsetzung des Projektes hindert, und doch bereut er am Ende zumindest eine seiner Handlungen. Auch der Teufel hat eben ein Gewissen (im Gegensatz zu manchen Menschen). Keine Teufelsaustreibung also: wie sollte sich auch eine Szene auflösen, in der der Held mit einer Vampirin schläft, die er einst selbst erfunden hat, in einem Haus, das sich im Nachhinein als jahrzehntealte Ruine erweist. Hier gibt Zafon den ersten Hinweis, doch nicht enttäuscht zu sein, wenn sich ausgerechnet und einzig die metaphysische Ebene als genau das erweist, als was sie sich zeigt. So etwas könnte man auch als Sarkasmus bezeichnen. Zafon nutzt insbesondere diese "Mephisto-Ebene", um das Große Ganze zu verhandeln und das "Spiel des Engels" zu einer philosophischen Abhandlung über Moral, Ehrgeiz und Religion zu erweitern. Das macht er so, dass es nie langweilig wird. Freilich, David Martin ist kein liebenswerter Held (heute würde man sagen: kein Wunder bei der Kindheit, muss er doch zusehen, wie sein Vater erschossen wird). Er erliegt dem schnöden Mammon, darum geht es ja schließlich im Roman, und er behandelt seine Mitmenschen nicht immer gut und hat insbesondere mit den Frauen ein Problem. Vorteilhaft zumindest für den Roman, bekommt er dadurch doch nicht den Superheldenstatus, der die Geschichte schnell in jenes Milieu hätte abgleiten lassen, das Martin in seinen eigenen Groschenromanen heraufbeschwört. Auch wenn die Sprache bisweilen etwas blumig ist - vielleicht habe ich in letzter Zeit auch einfach zuviel deutsche Gegenwartsliteratur gelesen - hat das Buch doch einen angenehmen Sprachfluss. Ich kenn das Original nicht, kann jedoch über die Übersetzung nichts Nachteiliges verbreiten. Keine Angst jedenfalls vor den 700 Seiten: das Buch liest sich in Nullkommanichts weg. Für mich eines der anspruchsvollen Highlights des Jahres 2008! |
||
...

Zoom: Klick auf Bild

Wenn ich mich hinsetze, schreibe ich tagelang durch und gönne mir nur einen freien Tag in der Woche. Einen Teil vom Das Spiel des Engels habe ich in Los Angeles geschrieben. Ein Freund hat mir ein Arbeitszimmer überlassen und ich habe dort von 6 Uhr früh bis 2 Uhr mittags geschrieben, völlig gegen meine Veranlagung. Sonst arbeite ich immer nachts. Schreiben ist ein komplizierter Prozess, der mich viel Zeit kostet und für den ich mich ein wenig aus der Welt zurückziehen muss.
"Der Schatten des Windes" habe ich vor zehn Jahren angefangen zu schreiben. Ich glaube, dass ich in dieser Zeit etwas hinzugelernt habe. Man lernt aus seinen Fehlern und mit dem Alter. Zudem war das Buch aus der Perspektive eines heranwachsenden Jungen geschrieben und deshalb liebenswürdiger. Beim Das Spiel des Engels war ich mutiger, und so ist dabei die ruchlose Schwester von Der Schatten des Windes herausgekommen. Es hat mehr von Charles Dickens: Es ist eine Hommage an die Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, die die Literatur auf fieberhafte Weise lebten.
Als ich zum ersten Mal Geld für etwas von mir Geschriebenes erhielt, war ich acht Jahre alt und dachte, mit 13 bin ich berühmt. Ich gründete mit einigen Freunden an der Schule einen Verlag. Einer kümmerte sich um die Gestaltung, ein anderer machte die Kopien, und ich schrieb. Es waren Horrorgeschichten mit Außerirdischen und Vampiren. Mit dem Geld, das wir einnahmen, kauften wir uns Süßigkeiten. Seitdem habe ich nicht aufgehört zu schreiben.
Ich tu gerne einmal nichts, aber irgendetwas mache ich immer. Ich höre gern Musik, lese, gehe ins Kino, reise und lerne. Ich lerne sehr schnell. Viel wichtiger als der Erfolg meiner Bücher ist für mich, dass ich seit langer Zeit zum ersten Mal mit mir selbst zufrieden bin. Was ist für mich das Glück? Darauf antworte ich immer das Gleiche: geistige Zufriedenheit.
Carlos Ruiz Zafón wurde 1964 in Barcelona geboren, wuchs im Schatten von Gaudís Kathedrale Sagrada Família auf und besuchte die gotische Jesuitenschule von Sarría. Deren wuchernde Architektur regte schon den 10-Jährigen zu Schauergeschichten an und inspiriert ihn bis heute zu seinen kunstvoll konstruierten Romanhandlungen. Seine berufliche Laufbahn begann er als Texter, bevor es ihn 1994 nach Los Angeles zog, wo er zehn Jahre als Drehbuchautor und Journalist arbeitete. Für sein Erstlingswerk Der Fürst des Nebels erhielt Ruiz Zafón 1993 den Edebé-Preis für Jugendliteratur. Sein Roman Der Schatten des Windes von 2001 wurde zum größten Bucherfolg Spaniens und begeisterte, in mehr als 30 Sprachen übersetzt, Leser in aller Welt.